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© sämtliche Inhalte Karin Steiner

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zuletzt aktualisiert am
27.02.2008

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Folgewirkungen von Personalabbau

Empirisches Forschungsprojekt des Instituts für Personal- und Organisationsforschung, Universität der Bundeswehr München
(1998 - 2002)

Das Institut für Personal- und Organisationsforschung der Universität der Bundeswehr München – unterstützt durch die Fritz-Thyssen-Stiftung zur Förderung der Wissenschaft und den Daimler-Benz-Fonds im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. – hat im Rahmen eines mehrjährigen empirischen Forschungsprojektes die betriebswirtschaftlichen Folgewirkungen von Personalabbau auf Unternehmen und die verbleibenden Mitarbeiter untersucht. 

Übersicht:

Problemstellung und Forschungsfragen
Vorgehensweise
Ergebnisse und Anforderungen an ein folgenminimales Trennungsmanagement
Publikationen und Download
Möglichkeit zur Kooperation / Kontakt
Weitere Information

Problemstellung 

Das Personalmanagement bewegt sich immer stärker im Spannungsfeld von betriebswirtschaftlichen Erfordernissen und gesellschaftlicher Verantwortung. Dies gilt insbesondere für den Personalabbau. Viele Unternehmen versuchten in den letzten Jahren, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reduzierung der Personalkosten und Abbau von Arbeitsplätzen zu sichern. Der Erfolg traditioneller Personalabbaumaßnahmen, wie sozialplanpflichtige Massenentlassungen, Vorruhestandsregelungen oder Abfindungsverträge, blieb jedoch häufig hinter den gesetzten Erwartungen zurück, da unerwünschte Nebenwirkungen nachhaltig die ökonomische und soziale Effizienz beeinträchtigten. Innovative Konzepte der Steuerung personeller Kapazitäten, wie beispielsweise interne Arbeitskräftepools, neue Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung oder die Kooperation mit Zeit- und Leiharbeitsunternehmen, müssen ihre Effektivität und Wirksamkeit erst noch unter Beweis stellen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden folgende Fragestellungen bearbeitet:

Auf welche Weise wird in deutschen Unternehmen Personal abgebaut? 
Zur Beantwortung dieser Frage soll eine empirische Bestandsaufnahme durchgeführt und ein Überblick über das Forschungsfeld gegeben werden.

Welche Folgewirkungen gehen vom Personalabbau auf das Unternehmen und die Arbeitnehmer aus? 
Inwieweit beeinflussen situative Rahmenbedingungen sowie die instrumentellen und prozessualen Gestaltungsalternativen die ökonomische und soziale Effizienz des Unternehmens? 
Hierzu wird ein Bezugsrahmen entwickelt, der geeignet ist die Wechselbeziehungen von Situation, Gestaltung und Effizienzwirkungen theoretisch und empirisch zu untersuchen.

Wie können Personalabbauprozesse in Zukunft so gestaltet werden, dass die negativen Folgewirkungen für Unternehmen und Arbeitnehmer möglichst minimiert werden können? 
Hier geht es um die Erarbeitung von konkreten Handlungsempfehlungen, welche Maßnahmen möglichst ergriffen und welche besser vermieden werden sollten.

Durch das Aufzeigen der relevanten Aktionsparameter (Instrumente und Prozesse des Personalabbaus), der zu beachtenden Restriktionen (z.B. rechtliche Rahmenbedingungen) und der zu erreichenden Zielgrößen ('folgenminimaler' Personalabbau) soll die Basis gelegt werden für die strategische und operative Planung, Durchführung und Kontrolle notwendiger Anpassungen der Personalkapazität (s.a. Personalkapazitätsmanagement).

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Vorgehen:

Zur Untersuchung der Folgewirkungen von Personalabbau wurde zunächst ein theoretischer Analyserahmen entwickelt, anhand dessen die situativen Rahmenbedingungen, die Instrumente und begleitenden Maßnahmen der Kapazitätsanpassung sowie die daraus resultierenden Folgewirkungen auf die (ökonomische und soziale) Effizienz des Unternehmens analysiert werden können. Oberstes Ziel ist es, durch ein folgenminimierendes Trennungsmanagement zur Wiederherstellung und langfristigen Sicherstellung der Überlebensfähigkeit des Unternehmens beizutragen.

siehe auch Aufbau und Vorgehensweise des Buchs 
"Personalabbau in deutschen Unternehmen"

Die empirische Analyse setzt sich aus mehreren Teilerhebungen zusammen, die den unterschiedlichen Perspektiven der Problemstellung Rechnung tragen sollen. In einer breit angelegten Unternehmensbefragung (Erhebung bei 3000 Unternehmen, Stichprobengröße n=235) wurde im März 1998 die Praxis des Personalabbaus in deutschen Unternehmen aus der Sicht betroffener Geschäftsführer und Personalleiter erhoben. Die Entwicklung der Folgewirkungen von Personalabbauprozessen bei den im Unternehmen verbleibenden Mitarbeitern wurde durch vertiefende Längsschnittanalysen (Mitarbeiterbefragungen, Begleitforschung) näher betrachtet. Weitere Untersuchungen und Auswertungen sind in Vorbereitung.

Information zu den empirischen Erhebungen (Marr/Steiner 2003) 

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen zur intelligenten Steuerung der Personalkapazität.

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Ergebnisse:

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen ein facettenreiches und teilweise widersprüchliches Bild:

1) Fundamente einer "Theorie des Personalabbaus"

Bevor die dem Forschungsprojekt zugrunde liegenden Fragestellungen für eine empirische Erhebung operationalisiert werden konnten, mussten zunächst die zentralen Begriffe "Personalabbau", "Personalkapazität" und "Trennungsmanagement" abgegrenzt und operationalisiert werden. 

Da es für den Personalabbau und dessen Wirkungen nur in einzelnen Teilbereichen empirisch und/oder theoretisch fundierte Modelle gibt, musste zunächst ein theoretischer Bezugsrahmen entwickelt werden, zur Ableitung von Thesen über die Zusammenhänge zwischen den Abbaualternativen (als personalwirtschaftliche Gestaltungsparameter) und ihren prognostizierbaren Wirkungen auf das Gestaltungsziel (ein effizientes Trennungsmanagement).

Um die dargestellten Maßnahmen einer Kapazitätssteuerung sowie die flankierenden Angebote, die dazu dienen, den Erfolg von Personalabbau zu sichern und unerwünschte Nebeneffekte zu vermeiden, hinsichtlich ihrer funktionalen und dysfunktionalen Wirkungen bewerten zu können, mussten die relevanten Ziel- und Effizienzdimensionen bestimmt werden. Für eine theoretische und empirische Analyse möglicher Folgewirkungen von Personalabbau sind insbesondere die Erkenntnisse und Fragestellungen der theoretischen und praxisorientierten betriebs- und personalwirtschaftlichen Diskussion sowie aktuelle empirische Forschungsansätze berücksichtigt worden. Einen Schwerpunkt dabei bildete die Untersuchung der umfangreichen anglo-amerikanischen 'Downsizing'-Forschung (vor allem die Forschergruppen um Kim S. Cameron, Joel Brockner, Aneil K.Mishra, Nadia Labib, Steven Appelbaum u.a.) und die Frage einer Übertragbarkeit der Ergebnisse auf deutsche Unternehmen. Aus den Ergebnissen der Analyse zum "State of the Art" wurden die den empirischen Erhebungen zugrunde liegenden Forschungshypothesen abgeleitet.

2) Empirische Ergebnisse

Durch die sehr detaillierte Befragung deutscher Unternehmer zu ihrer individuellen Ausgangslage, zu den ergriffenen Maßnahmen und der Gestaltung des Personalabbauprozesses sowie zu Zielerreichung und (Neben-)Wirkungen des Personalabbaus konnte das Forschungsziel einer umfassenden empirischen  Bestandsaufnahme zum Personalabbau in deutschen Unternehmen erreicht werden. Vor allem die Differenzierung von kleinen, mittleren und großen Unternehmen, aber auch die Berücksichtigung der jeweiligen Ausgangslage (z.B. 'Reaktion auf eine akute Krise' oder 'strategische Prävention'), ergab wesentliche Unterschiede in der Gestaltung des Personalabbaus und in den beobachteten Wirkungen. Diese Erkenntnisse sind wichtig für die Planung und Bewertung individueller Trennungskonzepte.

Um den Erfolg und die Wirkungen eines Personalabbaus bewerten zu können mussten verschiedene Effizienzebenen berücksichtigt werden. Die Analyse der Folgen und Nebenwirkungen von Personalabbau auf das Unternehmen und die verbleibenden Mitarbeiter ergab sowohl positive als auch negative Effekte, die stark von der situativen Ausgangslage und der Gestaltung des Personalabbaus (Instrumente und Prozess) beeinflusst werden. Auch zeigten sich zum Teil deutliche Unterschiede in der individuellen Wahrnehmung und Bewertung einzelner Effekte durch verschiedene Mitarbeitergruppen (ein Ergebnis der vertiefenden Fallstudie).

3) Praktische Empfehlungen

Ein Schwerpunkt des Forschungsprojektes lag in der Identifikation und Bewertung der Maßnahmen und Instrumente, die für eine Bewältigung personeller Anpassungsprobleme zur Verfügung stehen. Neben dem "klassischen Instrumentarium" einer Personalreduktion sind besonders die sog. "flankierenden Maßnahmen" zur Abfederung der (unerwünschten) Wirkungen von Personalabbau zu berücksichtigen, die bisher in der Personalliteratur kaum gewürdigt wurden. Die "Best Practices" bei der Gestaltung von Personalabbauprozessen wurden gesammelt, bewertet und auf ihre Wirksamkeit untersucht. Ergebnis der umfassenden Maßnahmenanalyse - unter Berücksichtigung der konkreten Situation des Unternehmens - ist ein umfassendes Spektrum an Maßnahmen und Gestaltungsempfehlungen (vor allem für das operative Trennungsmanagement).

Auch wenn es kein allgemeingültiges "Patentrezept" zum Personalabbau geben kann, lassen sich aus den Ergebnissen der Untersuchung die folgenden Anforderungen an ein folgenminimierendes Trennungsmanagement ableiten.

  1. Bei Auftreten eines Personalkapazitätsproblems ist zunächst eine umfassende Situationsanalyse und Zieldefinition erforderlich.
  2. Auf dieser Basis können für das Unternehmen passende Maßnahmen aus dem Spektrum an Handlungsalternativen ausgewählt werden (präventive Maßnahmen zur Verringerung des Abbaubedarfs, Maßnahmen zur Reduzierung der Personalkapazität sowie flankierende Maßnahmen und Angebote zur Vermeidung oder Milderung von Belastungen und negativen Folgewirkungen).
  3. Die Effizienz des Personalabbaus hängt stark von der Strukturierung des Personalabbauprozesses ab, wobei eine Anlehnung an das klassische Projektmanagement hilfreich ist. Wichtige Erfolgsfaktoren hierbei sind die Planungsqualität, eine offene Informations- und Kommunikationspolitik, umfassende Mitwirkungsmöglichkeiten aller Beteiligter sowie konstruktive Verhandlungen mit den Sozialpartnern. Auch eine – über den Personalabbauprozess hinausgehende – strukturelle, strategische und kulturelle Neuausrichtung darf nicht vernachlässigt werden.
  4. Die Wirkungen der ergriffenen Maßnahmen sind ständig zu überwachen, um ein Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen zu verhindern. Dazu müssen auf Basis der Risiko- und Effizienzanalysen geeignete Indikatoren und Kennzahlensysteme entwickelt werden.
  5. Die Entscheidungsträger benötigen viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen, um Personalabbau in seiner Komplexität zu begreifen und  typische "Gefahren" des Personalabbaus abzuwenden bzw. potenzielle "Benefits" zu erreichen.

Bei allen Entscheidungen und Handlungen sollte deren Wirkungen auf das grundlegende Beziehungsgefüge im Unternehmen berücksichtigt werden. Hierbei geht es vor allem darum, dass trotz notwendiger Anpassungen der implizite psychologische Kontrakt zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern erhalten bleibt und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nicht nachhaltig beeinträchtigt.

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Publikationen:

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind in dem Buch  "Personalabbau in deutschen Unternehmen" dargestellt (siehe auch weitere Publikationen) und wurden in mehreren Fachvorträgen vorgestellt. 

Einen Kurzbericht mit ersten ausgewählten Ergebnissen einer 
Bestandsaufnahme zum Personalabbau in deutschen Unternehmen
können Sie hier herunterladen:


Download: Kurzbericht "Folgewirkungen von Personalabbau" 1998
(pa_kurzb.pdf, 456kB)

Erfahrungsaustausch und Kooperation:

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf bei Interesse an einem Erfahrungsaustausch oder an weiteren Informationen zu den Forschungsergebnissen.

Informationen zu weiteren Forschungsprojekten finden Sie auf den Seiten des Instituts für Personal- und Organisationsforschung der Universität der Bundeswehr München.

Weitere Information:

Theoretische Grundlagen ] Wirkungsanalyse ] Personalabbau - Empirische Bestandsaufnahme ] Maßnahmen des Personalabbaus ] Erfolg und Wirkungen von Personalabbau ]

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